Monthly Archive for April, 2007

Jazz im Saalbau XI

Adrian Mears New Orleans Hardbop
Julia Hülsmann Trio with Daniel Mattar – „good morning midnight“

Samstag | 21. April | 19.30 Uhr
SAALBAU Bornheim, Frankfurt am Main, Arnsburger Straße 24
Karten an allen Vvk-Stellen und bei der SAALBAU-Geschäftstelle
Info-Telefon: 069. 15 30 80

„Mal konstruiert Mears dunkelblaue Lyrik, mal frechen Funk-Bop, mal lässt er das Horn in Mangelsdorff‘scher Doppelton-Magie dahinschleichen, mal erteilt er allen Oldtime Posaunisten eine Tailgate-Lektion und integriert sogar das Didgeridoo sinnvoll in den Jazz. Stark!“ – so schrieb „Jazz Thing“ – und tatsächlich, der Australier Adrian Mears hat Referenzen vorzuweisen, wie sie für einen so jungen Jazzer nicht die Regel sind. Er spielte in McCoy Tyners Big Band, mit Klaus Doldinger, Paquito D`Rivera, Barbara Dennerlein und Johannes Enders, wurde als bester Posaunist und als bester Komponist Australiens ausgezeichnet. Zusammen mit den Scales Brüdern hat er als erster australische Künstler die CD „Grounded“ für BLUE NOTE records aufgenommen. Als Solist spielte Mears in Australien via Satellit mit den Berliner Symphonikern. Und lehrte bereits in Mannheim und Köln, bevor er nun die Posaunenklasse der Jazzschule Basel übernahm.

Vor nicht allzu langer Zeit zauberte in „seriösen“ Modern-Jazz-Kreisen das Stichwort „New Orleans“ bestenfalls ein müdes Lächeln auf die Gesichter, aber die Entwicklung des Jazz ist auch in dessen Wiege nicht stehen geblieben. Bereits in der ursprünglichen Form des New Orleans-Beats waren sämtliche Elemente enthalten, welche in Nord- und Südamerika zu all den verschiedenen afro-amerikanischen Stilen geführt haben. Auch der aktuelle New Orleans-Beat verfügt über eine sehr eigene, an die Tradition anknüpfende Rhythmik. Diese perfekt getimte Basis, zusammen mit der üblicherweise im Hardbop verwendeten Melodik und Harmonik, führt unter Beigabe einer kräftigen Prise neuer Betrachtungsweise zu einem neuen, aufhorchen lassenden Sound. Hier ist er witzig, brillant und extrem swingend.

Es spielen
Adrian Mears [tb] I Domenic Landolf [ts, bass-cl] I William Evans [p] I Stephan Kurmann [b] I Mario Gonzi [dr]

Größere Gegensätze sind eigentlich kaum vorstellbar. Hier der Jazz, der sich als rauer Kumpane durch die Großstädte des 20. Jahrhunderts schlug. Da Emily Dickinson, die stille Lyrikerin aus einer calvinistischen Familie, die ihr gesamtes Leben zurückgezogen im ländlichen Amherst / Massachusetts verbrachte. Als Dickinson 1886 im Alter von 56 Jahren starb, war der Jazz noch nicht geboren. Sondern nur eine dunkle Ahnung, die über den schwülen Sümpfen des ­Mississippi-Deltas waberte. Passt das zueinander?

Gewiss. Es braucht für diese Zusammenführung allerdings ein seltenes Talent. Große Musikalität. Ein Gespür für Worte, Bilder und Stimmungen. Und ein Sinn für Melodien, die im Ohr hängen bleiben und doch das Herz rühren, auf diese spröde, geheimnisvolle Art, die Dickinson zu eigen ist. Julia Hülsmann, die von der „Welt am Sonntag“ als „die derzeit bemerkenswerteste Pianistin der Jazz-Szene“ bezeichnet wird, verfügt über all diese Begabungen im Übermaß. Und es ist nicht das geringste Verdienst von „Good Morning Midnight“, dass Emily Dickinson plötzlich daherkommt wie eine Zeitgenossin des 21. Jahrhunderts. Hülsmann geht respektvoll und behutsam mit ihren formal strengen Gedichten um. Und findet doch genügend harmonische und rhythmische Reibungsflächen. Das intensive Miteinander mit ihren Trio-Weggefährten Marc Muellbauer und Sebastian Merk ist eine von Hülsmanns wichtigsten musikalischen Konstanten. Neu hinzugekommen ist nun der Sänger Daniel Mattar, ein Virtuose am Mikrophon. Als er zum ersten Mal Hülsmanns Dickinson-Bearbeitungen hörte, war ihm klar: „Das ist ausgesprochen ungewöhnlich. So etwas habe ich noch nie gesungen“. All das schwingt nun in den Stimmbändern mit: Neugier und Zweifel, Überschwang und Introspektion, Instinkt und intellektuelle Zähmung. Es ist die adäquate Umsetzung der Dickinsonschen Lyrik, die die Natur und das Licht feiert – und doch dem Dunklen und dem Nachsinnen über die Vergänglichkeit so viel Raum gewährt.

Es spielen
Julia Hülsmann [p] I Daniel Mattar [voc] I Marc Muellbauer [b] I Sebastian Merk [dr]

Eintritt
€ 17.– I 14.– (Vvk) I 10.– (erm. nur AK)

Mit freundlicher Unterstützung von: SAALBAU GmbH, Frankfurter Rundschau