
Am 14.5. wurde im Theaterhaus in den Schützenstraße das Arbeitsstipendium Jazz der Stadt Frankfurt an das Contrast Quartet vergeben. Den Scheck in Höhe von 5.500 Euro übergab Professor Semmelroth, der in seiner Laudatio den „herausragend spannenden Aufbau der einzelnen Kompositionen wie auch der darin enthaltenen solistischen Vorträge“ lobte was die mit Guenter Hottmann (hr-Jazz-Redaktion), Uli Olshausen (Jazz-Journalist) und Musikerin Elvira Plenar hochkarätige Jury vorher schon gehört und ausgewählt hatte.
Die Musiker, Pianist und Komponist Yuriy Sych (23), Schlagzeuger Martin Standke (26, der „alte Sack“ in der Band), Kontrabassist Tim Roth (22) und Saxophonist Benjamin Steil (22), alles studierte und studierende Menschen und zusammen – wie Semmelroth betonte – noch nicht einmal 100 Jahre alt, unterstrichen in ihrem Gewinnerkonzert, übrigens eine Premiere in der Besetzung mit Steil, dass sie den Preis zu recht zugesprochen bekommen hatten. Ein furioses Set, der zeigte, dass die Jungs ihr Jazzlektionen gelernt hatten, nicht einmal auf eine allerdings nur kurze Swingeinlage verzichteten, ansonsten aber zwischen Klassik (Sych als Ukrainer kennt sicherlich auch die wichtigsten klassischen russischen Komponisten) und Drum’n'Bass (Drummer Martin bediente sich bei den Beats) ihre eigene Position suchen (und ganz sicher auch finden werden).
Die komplexen Kompositionen (mitunter glaubt man tatsächlich, richtige lange Suiten zu hören), wie auch Spiel und Zusammenspiel und Improvisationen haben dabei eine solche Tiefe (bei gleichzeitig spielerischer Leichtigkeit) und Reife, dass es schon verwundert. Mag Sych auch wie der Typ erwachsen werdendes Wunderkind wirken, er und die anderen haben garantiert nicht nur Musik im Sinn, aber definitiv im Blut. Fazit: dynamisch, souverän und sehr expressiv. Vom Contrast Quartet wird man noch viel hören.
Im Publikum waren übrigens auch zwei Frankfurter Jazzcracks: Pianist Bob Degen zeigte sich von seinem Pianokollegen genauso begeistert wie Saxophonist Christof Lauer von Steil. Nicht nur ihre gute Wünschen begleiten die ambitionierten Youngsters.
© Detlev Kinsler
Die Jazzinitiative gratuliert herzlich!