
Der grammy-nominierte Schlagzeuger/Komponist John Hollenbeck gilt völlig zu Recht als einer der derzeit kreativsten und gefragtesten Musiker unserer Tage und mit dem „Claudia Quintet“ leitet er zudem eines der musikalisch außergewöhnlichsten Ensembles der New Yorker Szene; vielleicht das unverwechselbarste, das die Stadt derzeit zu bieten hat.
Mit einer charismatischen Gratwanderung zwischen Jazz, Minimal Music und durchaus auch Folklore zeigt die Band, wie Jazz abseits der Tradition klingen kann. Und das Claudia Quintet – benannt nach dem dienstältesten Fan – ist in seiner intellektuell stimulierenden Art unvergleichlich. Allein schon die ungewöhnliche Instrumentierung – neben Saxophon auch Vibraphon und Akkordeon – mit einer hochkarätigen Besetzung, erlaubt eine faszinierende Klangmischung. Was mit den harmonischen Räumen und Wolken des Klanghypnotikers Morton Feldman beginnt, kann einer nachdenklichen Folk-Melodie weichen. Die Vielfalt an subtilen rhythmischen Mustern reicht vom Minimalismus eines Steve Reich bis zum satt swingenden Groove. Aber alle Streifzüge an die Grenzen sind schrankenlos in eine breite musikalische Palette integriert, die unwiderstehlich und verführerisch ist – ein funkensprühendes Ensemble, das laut Chicago Tribune beweist, dass innovativer Jazz nicht „rau, wütend, laut, schrill oder knirschend“ sein muss, sondern „filigran, geistreich, himmlisch und strahlend lyrisch“ klingen kann.
Es spielen
John Hollenbeck (dr)
Matt Moran (vib)
Chris Speed (saxes)
Ted Reichman (acc)
Drew Gress (b)

Daniel Erdmann stammt aus der Volkswagen-Stadt Wolfsburg und lebt mit jeweils einem Bein in Berlin und Paris. Er spielte mit Aki Takase, Ed Schuller, Conny Bauer, Gebhard Ullmann, Herb Robertson, Joe Williamson u. v. a. und ist Initiator von diversen deutsch-französischen Projekten. Als Daniel Erdmann die Band 1999 gründete, nannte sie sich noch „Erdmann 2000“. Mit dem gut überstandenen Milleniumswechsel wurde es Zeit für den Modellwechsel. Inzwischen fährt (… und fährt und fährt) die Band unter dem Namen „Erdmann 3000“ – mit stetig wachsendem Erfolg – durch Deutschland und die Welt zu Konzerten und Festivals. Hierfür hat Erdmann eine ziemlich geniale Truppe um sich geschart: Frank Möbus (u. a. Der Rote Bereich) koloriert auf den Spuren von John Scofield, und Johannes Fink (b) und John Schröder (dr) spielen mit und gegen die Schwerkraft gängiger Jazz-Schubladen an. „Erdmann 3000“ will sich frei entfalten und die Hörer in durch gemeinsame Improvisation erschlossenes Neuland entführen. „Das Konzept der Band ist ebenso brillant wie seine Ausführung. So feinsinnig, so komplex, so locker ist diese Musik, dass sie schon fast zur Sprache wird. Zu einer Sprache, die wohl weltweit verstanden wird“, schreibt Friedrich G. Stern in der Nürnberger Zeitung. Der Posaunist Yves Robert hat immer überrascht: auf seinen Alben bei ECM, an der Seite von Jazzgiganten wie Albert Mangelsdorff oder Gil Evans und als Komponist von Filmmusik. Den Kopf stets voll neuer Projekte atmet seine Musik Rock, Funk und einfache Lieder, vor allem aber Groove, Humor und eine schier unglaubliche Energie.
Es spielen
Daniel Erdmann (ts)
Frank Möbus (g)
John Schröder (dr)
Yves Robert (tb)
Johannes Fink (b)

Frankfurts vielseitiger und innovativer Bassist Vitold Rek hat mit Produktionen wie „The Polish Folk Explosion“ immer wieder die Brücke zwischen Jazz und Folk geschlagen. Der Name des Projekts „East West Wind“ macht bereits deutlich, wohin die Reise diesmal geht: ein Crossover verschiedenster Kulturen und Musikstile, das Grenzen einreißt und verschiedene Traditionen miteinander verbindet. Rek, Jaroslaw Bester und Ramesh Shotham bringen Stücke mit unterschiedlichsten Wurzeln ein, verwenden dabei Themen aus vielen europäischen Ländern: polnische Folklore, Klezmer, schottische, spanische und griechische Lieder – alles indes frisch komponiert oder arrangiert. Es ist ein Festival der Stimmungen, traurig wie fröhlich, balladesk und rhythmisch zugleich, melancholisch und freudestrahlend.
Als Teenager kam der klassisch ausgebildete Rek zum Jazz, als er den großen Ray Brown zum ersten Mal hörte. Nach vielen Experimenten in den weitläufigen Gefilden des Jazz wurde er Bassist des renommierten Trompeters Tomasz Stanko. Heute ist Rek eine der bedeutendsten Stimmen in der Jazzwelt, mit eigenem Sound, der eine charakteristische Mixtur aus musikalischer Sensibilität und verblüffender Technik ist. Gleichsam verblüffend-genial auch die Wahl seiner beiden Partner – Jaroslaw Bester, Gründer der weltweit beachteten Cracow Klezmer Band, und Ramesh Shotham, der alle Register der Perkussion – einschließlich der Mund-Perkussion – zieht und den Stücken einen mitreißenden rhythmischen Teppich legt, sehr beseelt, aber immer mit einem Hauch Exotik behaftet. Zu Gast im Palmengarten ist die israelische Sängerin Michal Cohen; sie schenkt „East West Wind“ durch ihre jemenitischen Wurzeln und dem leidenschaftlichen Spiel ihres sephardischen Timbres eine tiefe Ebene und einmalige Atmosphäre.
Es spielen
Vitold Rek (b)
Michal Cohen (voc)
Jaroslaw Bester (acc)
Ramesh Shotham (perc)

Mit diesem einzigartig besetzten Trio wird mehr als ein Stück Jazzrock-Geschichte wieder belebt – drei der kreativsten und energiegeladensten Musiker ihres Fachs haben sich (wieder)gefunden, und jeder von ihnen hat die technischen Hürden seines Instruments schon vor so vielen Jahren überwunden, dass es nicht mehr um ein Kräftemessen geht, sondern nur noch um den reinen musikalischen Ausdruck. In den Siebzigern bespielten Ausnahmegitarrist Larry Coryell und Schlagzeuger Alphonse Mouzon bereits ihre Band »Eleventh House«. Mouzon, mittlerweile sogar Schauspieler in Tom Hanks-Filmen, kam da gerade von Weather Report, und der blutjunge Coryell hat mit dem Kollegen John McLaughlin ein furioses Duo-Debut hingelegt. Dem ersetzte er zeitweise Al Di Meola im legendären Trio »Passion, Grace and Fire« um Paco de Lucia. Von diesen Virtuosen gilt Coryell als der gefühlvollste. Von John McLaughlin kommt Joey DeFrancesco und die Idee eines Gitarren-Orgel-Drum-Trios, die noch von Tony Williams stammt und sich in letzter Zeit großer Beliebtheit erfreut – da vibriert es in den Ohren gleichermaßen wie auch im Herzen.
Es spielen
Larry Coryell (g)
Joey DeFrancesco (b3 organ)
Alphonse Mouzon (dr)

Leitung: Wilson de Oliveira
Moderation: Werner Lohr
Special Guest: Enrique Telleria (bandoneon)
Das Eröffnungskonzert zum 50-jährigen Jubiläum der renommierten open-air-Konzertreihe bestreitet die nunmehr auch schon über 20 Jahre erfolgreich konzertierende Frankfurt Jazz Big Band mit Kompositionen von Wilson de Oliveira, Big Band-Arrangements von u. a. Claire Fisher und Bob Mintzer, und einem jazzbetonten Fokus auf den Tango (u. a. wird der Tango-Klassiker „La Cumparsita oder der FJBB-Klassiker „El Carpincho“ von der gleichnamigen CD zu hören sein).
Der spezielle Gast des Abends ist der Bandoneon-Spieler Enrique Telleria – aus Montevideo stammend, in Barcelona zu Hause. Der nostalgisch-laszive Ton des Instruments geht, wenn er von einem Könner vorgetragen wird, direkt in die Sinne. Telleria ist weltweit einer der bedeutendsten Bandoneonisten, der sein halbes Leben an der Seite von Astor Piazzolla Musik gemacht hat, der sich so mit dem Tango identifiziert, dass man nicht mehr von Interpretation sprechen kann, sondern von Identifikation. Beim Programm der FJBB ist er nicht nur als Instrumentalist, sondern auch als Komponist und Arrangeur vertreten.
Es spielen
Enrique Telleria (bandoneon)
Christian Ehringer, Valentin Garvié, Ralf Hesse, German Marstatt (tp)
Joe Gallardo, Allen Jacobson, Chris Perschke, Georg Maus (tb)
Stefan Koschitzki, Kristina Brodersen, Jürgen Seefelder, Thomas Bachmann, Marcus Bartelt (saxes)
Martin Sasse (p)
Martin Gjakonovski (b)
Thomas Cremer (dr, production)